Project Cars: EA stampft Rennspiel-Reihe der Slighly Mad Studios ein

Nach drei Teilen ereilt die Rennspielreihe Project Cars ein Totalschaden, denn wie Gamesindustry.biz berichtet, hat man bei Publisher Electronic Arts entschieden, alle Arbeiten an der ursprünglich noch geplanten Fortsetzung einzustellen. Aus dem Artikel geht hervor, dass die betroffenen Mitarbeiter bereits intern über die Pläne informiert wurden.

Nach einer Evaluierung sei das Management zu der Erkenntnis gelangt, dass ein weiterer Teil von Project Cars vermutlich nicht den nötigen Erfolg einfahren wird. Außerdem ist man der Meinung, dass nach dem eher arcadigen und misslungenen Ausflug in Project Cars 3 die angedachte Rückkehr zur Hardcore-Rennsimulation nicht zur Ausrichtung von EAs Rennspiel-Auswahl passt, zu der u.a. das kommende Need for Speed Unbound gehört.

Konzentration auf große Marken und Live-Services

Stattdessen will man sich auf die ganz großen Lizenz-IPs wie das offizielle F1-Spiel, Open-World-Erlebnisse und langfristige Live-Services mit Fokus auf soziale Gemeinschaften konzentrieren – der Modus F1 Life in F1 22 liefert offenbar schon einen ersten Vorgeschmack, wohin die Reise gehen soll.

Ein wichtiges Standbein in den Racing-Plänen ist selbstverständlich Codemasters. Electronic Arts hatte die britischen Rennspiel-Spezialisten Anfang 2021 übernommen und damit die Pläne des Konkurrenten Take-Two durchkreuz, die ebenfalls an einem Kauf der Studios interessiert waren. Codemasters wiederum hatte sich Ende 2019 die Slighly Mad Studios inklusive der Marke Project Cars einverleibt.

Von der Crowdfuning-Sensation zur Arcade-Enttäuschung

Nach einigen Verschiebungen erschien das erste Project Cars 2015 und erregte bereits im Vorfeld der Veröffentlichung viel Aufmerksamkeit durch eine extrem erfolgreiche Schwarmfinanzierung und cleveres Marketing, wodurch selbst Mainstream-Medien auf die Rennsimulation aufmerksam wurden. Zwei Jahre später folgte der zweite Teil, in dem viele der ursprünglich versprochenen Features endlich umgesetzt wurden und der sich auch im Simracing in entsprechenden Ligen einer großen Aufmerksamkeit erfreute. Aufgrund auslaufender Lizenzen sind beide Spiele mittlerweile nicht mehr in digitalen Shops zum Kauf erhältlich.

Was dann 2020 mit Project Cars 3 passiert ist, dürfte rückblickend einer der größten Fehler gewesen sein: Wahrscheinlich auf Druck des Publishers Bandai Namco entschied man sich für eine Neuausrichtung und verabschiedete sich vom ursprünglichen Konzept der reinen Simulation, um sich stattdessen mit einer weichgespülten Fahrphysik, Tuning und „spannenden“ Herausforderungen als Konkurrent zu Gran Turismo und Forza Motorsport zu positionieren – ein klassisches Eigentor!

Zukunft der Slighly Mad Studios offen

Bleibt die Frage, wie es jetzt überhaupt mit den Slighly Mad Studios weitergehen soll, das vor ein paar Jahren mit der Mad Box sogar noch eine eigene Konsole auf den Markt bringen wollte. Von einer Schließung bzw. Auflösung ist zwar aktuell (noch) keine Rede, aber die Mitarbeiter sollen wenn möglich an anderen Rennspiel-Titeln innerhalb von EA mitwirken. Wer weiß: Vielleicht kehren die Slightly Mad Studios ja zu Need for Speed zurück – immerhin stammen bereits die beiden Shift-Ableger von ihnen und haben mit ihrem simulativen Charakter sogar als Grundlage für Project Cars gedient.

2 Kommentare

  1. Michael Krosta

    Also ich mochte den zweiten Teil echt ganz gern, trotz einiger Fehler und einer KI, die selbst heute noch auf einigen Strecken katastrophal agiert. Vor allem finde ich es schade und bedenklich, mit welcher Begründung EA die Marke jetzt fallen lässt: zu klein und zu wenig „sozial-kompatibel“, sprich nichts für den Massenmarkt. Ich befürchte, für EA ist Simracing generell zu sehr Nische mit zu wenig Umsatzpotenzial, daher hat man auch keine Lust darauf, Budget in eine Rennsimulation zu investieren. Das lässt für DiRT eigentlich nichts Gutes erahnen und ich denke, selbst GRiD steht auf der Kippe. Ich schätze, Codemasters darf dann in Zukunft in Sachen Rallye nur noch die offiziellen WRC-Spiele produzieren, natürlich mit einem WRC LIFE Modus.

    Wobei selbst das schon fast ein Fortschritt für EA wäre. Ich hatte vor vielen, vielen Jahren mal Peter Moore in einem Interview, warum EA Sports eigentlich kein Interesse an einem Rallye-Spiel hat. Er meinte damals, weil „zu klein und weil sich in dem großen US-Markt niemand dafür interessiert“. Schätze, an dieser Einstellung hat sich auch bei den heutigen Verantwortlichen nicht viel geändert 🙁

    Und da die WRC-Spiele von Codemasters sicherlich nicht die Verkaufserwartungen von EA erfüllen werden, schaue ich jetzt schon in die Glaskugel und prophezeie, dass der WRC-Deal mit der FIA nach den fünf Jahren nicht verlängert wird.

  2. eispfogel

    Schade, aber schon irgendwie zu erwarten oder?
    Der erste Teil war Klasse, aber so richtig auf die Community hat man da auch nicht so gehört. Ich mein…C.A.R.S hatte es ja im Namen. Es war auch Schade, dass sie dieses Project nicht weiter unterstützt haben. Es hätte nur noch hhein paar patches gebraucht um Rund zu werden, vor allem das Force Feedback war ja ohne Third Party Tools fast unmöglich einzustellen – auf Konsole extrem nervig(jedes auto, jede strecke ein eigenes setting….).

    Statt das man das also weiterentwickelt was haben sie gemacht? Sie haben es fallen lassen und Project CARS 2 rausgebracht. Super…. PC2 war aber auch Klasse! Aus irgendeinem Grund hatte ich aber nie mehr das Fahrgefühl vom ersten Teil und auf Konsolen gab es Performance Probleme, die der erste Teil nicht hatte. Auf PS4 gab es auch nie einen Pro Patch.

    Tja. Auch das haben sie dann nicht mehr weiterentwickelt und dann kam PC3, was ja komplett an der Community vorbei entwickelt wurde. Zum Glück gab es schon GT Sport und Assetto Corsa. PC3 war absolut nichts.

    Die Anfänge waren echt toll. Wenn man das FFB für sein Wheel eingestellt hatte, dann war sowohl Fahrgefühl und die KI der Gegner extrem gut. Ich finde das sucht noch immer seinesgleichen! Alles andere war nix :/

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